Die Hilfengebung

Auch hier möchte ich nicht auf die Hilfen im Einzelnen eingehen, sondern lediglich die Wichtigkeit der richtigen Hilfen in der reiterlichen Ausbildung herausstreichen.
Was sind Reiterhilfen? Eigentlich ganz einfach - es ist das Kommunikationsmittel, mit dem der Reiter dem Pferd mitteilt, was er wünscht. Klassisch gibt es Gewichts-, Schenkel-, und Zügelhilfen und diese können durch Hilfsmittel - Stimme, Gerte und Sporen - ergänzt und verstärkt werden. Zumindest in der englischen Reitweise wird angestrebt, lediglich über möglichst unsichtbare Hilfen zu reiten und weitgehend auf den Einsatz von Hilfsmitteln zu verzichten. 
Es gibt viele verschiedene Hilfen. So als Beispiel: Die Gewichtshilfen unterteilen sich in beidseitig belastende, einseitig belastende und entlastende Hilfen. Jede dieser Unterarten können noch zusätzlich eine unterschiedliche Bedeutung haben, je nach Schwungrichtung und -intensität der Hüfte. Sie können schiebend und ziehend wirken, treibend und verhaltend und sogar Schritt-, Tritt- und Sprunglänge verlängern und verkürzen. 
Dann haben wir die Schenkelhilfen: Vorwärts treibend, seitwärts treibend und verwahrend. Und auch hier feinste Nuancen die unterschiedliche Bedeutungen fürs Pferd haben können.
Aber diese absoluten Feinheiten sind erst einmal noch gar nicht wichtig, das soll nur zur Veranschaulichung dienen um sich vorstellen zu können, wie wichtig ein guter und gefestigter Sitz ist. Denn bei einem gut ausgebildeten und feinrittigen Pferd kann schon der um eine Kleinigkeit verschobene Schenkel oder der unpassende Druck oder auch Treibrhythmus etwas ganz anderes auslösen, als der Reiter beabsichtigt hat.
Nun, diese einzelnen Hilfen, die sich in viele kleine Nuancen aufsplittern, stellen sozusagen das Alphabet des Reitens dar. Jede einzelne Hilfe gibt dem Pferd eine bestimmte Reaktion vor. Und die Kombination dieser Hilfen führen dann letztlich zur Ausführung bestimmter Anforderungen. Wird in dieser Hilfenkombination nur ein Teil falsch oder nicht eingesetzt, kann das zu einem nicht gewünschten Ergebnis führen.
Ein Beispiel, wie ähnliche Hilfenkombinationen zu vollkommen unterschiedlichen Ergebnissen führen können und auch sollen, sind Schenkelweichen und Angaloppieren. 
Beim Schenkelweichen wirkt der innere Schenkel seitwärtstreibend etwas hinter dem Sattelgurt, nicht viel, maximal eine Handbreit. Manchmal ist es auch gar nicht notwendig, den inneren Schenkel überhaupt zu verschieben. Der äußere Schenkel liegt verwahrend. Das Gewicht belastet einseitig nach innen. Die Zügel halten idealerweise nur die Stellung, außen bleibt die Verbindung stetig, innen wird immer wieder weich nachgegeben um die Weichheit an der Hand zu erhalten.
Nun das Angaloppieren: Der innere Schenkel wirkt vorwärtstreibend und liegt dabei hart am Gurt (wohlgemerkt, der seitwärtstreibende Schenkel liegt maximal bis zu einer Handbreit zurück, das Zauberwort lautet hier "bis zu"!). Der äußere Schenkel liegt verwahrend. Das Gewicht ist innen einseitig belastend, der äußere Zügel hält eine stetige Verbindung, der innere Zügel gibt im anspringen etwas nach um der Schulter das deutliche Vorspringen zu ermöglichen. 
Merkt ihr etwas? Oberflächlich betrachtet ist die Hilfenkombination gleich.
Der einzige echte Unterschied liegt bei einem sehr feinen Pferd in der Richtung, die die einseitig belastende Hilfe vorgibt und in der unterschiedlichen Intensität der einzelnen Hilfen. 
Um nun also dem Pferd verständlich machen zu können was der Reiter von ihm möchte, benötigt es einfach einen guten Sitz, damit der Reiter überhaupt in der Lage ist, diese Hilfen auf das Pferd zu übertragen. Logischerweise kann man mit einem weggestreckten Bein keine Schenkelhilfe geben und wenn man mehr über dem Pferd schwebt weil man die Bewegung des Pferdes nicht ausschwingen kann, wird es wohl auch mit dem gesteuerten Einsatz von Gewichtshilfen schwierig. 
Ergo: Kannst du nicht weitgehend korrekt sitzen, kannst du keine sinnvollen Hilfen geben.