Die Sattelkissen beim Lederbaum
Die meisten meiner Kunden wissen es eigentlich: Die Klettkissen sind Verbrauchsmaterial. Da sie elastisch, nachgiebig und fürs Pferd angenehm sein sollen, liegt es in der Natur der Sache, daß das Innenleben im Laufe der Zeit schlechter wird. Also sich ungleich zusammendrückt, bzw. abnutzt, porös wird, die elastischen Eigenschaften verliert. Das gilt im Übrigen nicht nur für unsere Klettkissen, das gilt für alle Sattelkissen! Ganz egal, was für ein Sattel das ist und auch ganz egal, wie der Hersteller die superduperspezielle Befüllung seiner Sattelkissen bewirbt. Und das gilt sogar, wenn der Sattel nie genutzt wurde. Die einzige Ausnahme dürfte es sein, wenn die Kissen wollegefüllt getrennt vom Sattel nebeneinander (nicht aufeinander!) aufbewahrt wurden oder der Sattel nicht auf den handelsüblichen Sattelböcken hängt sondern nur auf einer Stange ohne daß die Kissen irgendwo aufliegen. Warum das so ist, ist eigentlich ganz einfach: Sobald ein Sattel nur herumhängt und seine Sattelkissen belastet, kommt Druck auf diese und damit geht es schon los, daß Füllung quasi "unter Stress" gerät. Hängt der Sattel dann noch ein wenig schief, was ja ganz schnell mal unbemerkt geschehen kann, wird die Füllung ungleich zusammengedrückt. Das ist gar kein Problem, wenn der Sattel regelmäßig genutzt wird, dann hängt er ja normalerweise nicht dauerhaft schief. Aber dann wird er genutzt, was ja auch zur Abnutzung des Kisseninnenlebens führt. Wer also einen mehrere Jahre alten Ladenhüter, der zwar nie genutzt wurde, aber eben doch schon älter ist, kauft, sollte klugerweise immer ein Auge auf die Kissen haben. Nun zu den kleinen Besonderheiten der Klettkissen. Diese können ganz toll aufbewahrt worden sein, leider altert hier das Innenleben ganz ohne jede Belastung auch. Dieses besteht aus Schaumstoff und Latex und diese Materialien, besonders der Schaumstoff, reagiert eben auch auf die Umgebungsbedingungen. Man sollte sich dessen immer bewußt sein, wenn man Klettkissen im Sondersale zu einem Minipreis ersteht. Diese Kissen dürften in den seltensten Fällen "frisch" sein, sondern haben nach aller Wahrscheinlichkeit bereits einige Jahre auf dem Buckel. Ungenutzt, aber das Innenleben ist bereits etwas gealtert. Natürlich kann man die Kissen trotzdem kaufen, denn die eventuell verkürzte Haltbarkeit wird ja schließlich über den Preis ausgeglichen, aber man sollte sich darüber im Klaren sein, daß die erwartete Lebensdauer eventuell deutlich verkürzt sein ist, weil sich der Schaumstoff schneller zersetzen kann. Das ist ja überhaupt das Vertrackte an der Sache, wir können nie genau sagen, wie lange Kissen "gut" sind. Im Allgemeinen gehen wir von einem mittleren Zeitraum von ca. 2 Jahren Nutzungsdauer aus. Das kann aber auch massiv abweichen. Denn logischerweise werden Kissen bei einem engagierten Reiter, der täglich mehrere Stunden unterwegs ist und vielleicht noch ein höheres Gewicht auf die Waage bringt, stärker belastet, als bei einem Mädel mit 45 kg, welches das Pferd dreimal in der Woche für ein halbes Stündchen spazieren führt. Ich denke, das ist eigentlich jedem verständlich. Aber woher weiß man denn, ob man vielleicht endlich neue Kissen benötigt (bzw. den Sattel neu polstern lassen sollte)? Bei unseren Lederbaumsätteln gibt es mehrere Anzeichen dafür, die zu einer genauen Überprüfung Anlass geben sollten:
1.: Es sind plötzlich kleinere trockene Stellen im Schweißbild zu sehen. Und zwar vorne, ungefähr dort, wo der Widerrist in die Rückenlinie übergeht links und/oder rechts des Widerrists oder im hinteren Sattelbereich. Diese trockenen Stellen können zwar auch auf eine falsche Balance hinweisen, sind aber immer ein Grund zu überlegen, wie lange die Kissen bereits in Nutzung sind und auch, die Kissen einmal auf ihre gleichmäßige Festigkeit zu überprüfen.
2.: Man bekommt den Sattel nicht mehr richtig zum liegen, trotz massiver Unterpolsterung senkt er sich immer zu stark vorne oder hinten ab obwohl sich am Pferd nichts gravierend verändert hat.
3.: Man fühlt sich nicht mehr wohl in dem Sattel, hat das Gefühl, er ist sehr wacklig geworden, findet auf unter dem Reiter seine richtige Lage nicht mehr.
4.: Man sitzt schief und hat das Gefühl, der Sattel hängt immer zu einer Seite.
Das alles sind natürlich Erscheinungen, die gar nichts mit den Kissen zu tun haben müssen. Aber wenn davor jahrelang alles fein war, liegt der Verdacht doch recht nahe, daß einfach neue Kissen fällig sind. Was ist zu tun? Das kommt darauf an. Wer ein wenig Erfahrung hat, der fühlt seine Kissen erst einmal ab. Ich zeige es meistens, wie das geht: Man fährt mit einem gewissen Druck die Kissen gleichmäßig von vorne nach hinten ab und spürt die Unterschiede in der Festigkeit auf. Und zwar an einer Linie ca. 2-3 Finger breit unterhalb der oberen Kissenkante. Meistens merkt man sehr schnell die Löcher, die sich unter der Steigbügelaufhängung und im hinteren Bereich gebildet haben. Geht es um einen schiefen Sitz, bzw. ständiges verrutschen zu einer Seite, wird man stärkere Löcher auf der betreffenden Seite fühlen können, wenn das an den Kissen liegt und nicht an einer ungleichen Klettung oder einer Disbalance der Muskulatur des Pferdes oder einem Haltungsfehler des Reiters. Mein Rat ist generell immer, nach einem Jahr Nutzung regelmäßig einmal im Monat die Kissen abzufühlen. Sobald sich die ersten etwas weicheren Stellen zeigen, wird es Zeit, neue Kissen zu bestellen. Man hat dann aber normalerweise noch einige Monate Zeit bis zum Austausch. Wer es sich selber nicht zutraut eine solche Überprüfung vorzunehmen, der sollte sich dann wirklich jemanden kommen lassen. Und ja, das mag Geld kosten, aber das Pferd wird dem Reiter diese Investition danken. Denn verbrauchte Kissen wirken sich nicht nur auf die Lage des Sattels auch, sondern können dem Pferd den Sattel auch ordentlich unangenehm machen. Und als ganz kleiner Tipp um festzustellen, ob derjenige, der dann die Sattelüberprüfung macht, auch etwas von seinem Handwerk versteht: Das erste, was bei einem bereits vorhandenen Sattel immer getan werden sollte ist eine Überprüfung der Kissenfestigkeit! Auch, wenn der Sattel gebraucht gekauft und jetzt erstmalig an dieses Pferd angepasst werden soll. Wer als Anpasser das nicht beherzigt, der dürfte bei mir direkt wieder vom Hof gehen, da verbrauchte Kissen die häufigste Ursache von Unstimmigkeiten mit dem Sattel sind. Und wer als Anpasser dann noch im Kundeninteresse handelt, der verkauft auch nicht unnötig neue Kissen. Sondern zeigt ganz genau, wo das Problem liegt oder eben auch nicht. Sprich bezüglich der Kissen läßt er den Kunden selber fühlen, was Sache ist. Ich möchte hier noch einmal auf eine bedauerliche Tatsache hinweisen: Kaum ein Sattler fasst Lederbaumsättel oder andere alternative Sattelsysteme an. Wenn der Sattler also nicht bekanntermaßen mit so etwas seit längerem erfolgreich arbeitet, macht es gar keinen Sinn, ihn wegen irgend etwas bezüglich eines solchen Sattels um Rat zu fragen. Holt euch jemanden, der sich mit diesem System auskennt. Und wenn ihr diese Person nicht schon als wirklich qualifiziert kennt, versucht herauszufinden, wie viel Erfahrung sie hat. "Lederbaumsattelanpasser" ist kein Ausbildungsberuf, ist nicht geschützt. Und leider kann jeder, der hier Geld wittert, diese Dinger auch vertreiben, wenn der Hersteller das zuläßt. Achtet beim Erstkontakt darauf, welche Fragen gestellt werden, sofern ihr diese Person nicht kennt. Bei Sätteln, die bereits länger im Gebrauch sind, sind z.B. Fragen nach dem Alter des Sattels, dem letzten Kissentausch und auch woher der Sattel stammt, Hinweise darauf, daß da jemand durchaus etwas von seinem Handwerk versteht. Kommen diese Fragen nicht, weil ihr bereits wichtige Informationen im Vorfeld preisgegeben habt, bedeutet das aber nicht, daß da Ahnungslosigkeit herrscht. Wenn mir z.B. jemand schreibt "Hallo, ich besitze seit 4 Jahren Sattel XYZ und mein Pferd fängt an, sich nicht mehr nach links wenden zu lassen." Dann ist für mich eigentlich alles klar und ich werde bereits im Vorfeld vier Möglichkeiten im Kopf haben und diese dann eventuell nicht abfragen:1.: Kissen sind durch (die wahrscheinlichste Sache und in ca. 95% der Fälle Fakt).2.: Da hat jemand bei der Anpassung Murks gemacht.3.: Das Pferd hat ein gesundheitliches Problem.4.: Der Reiter hat ein gesundheitliches Problem. Nahezu immer sind Punkt 1 und 2 die Dinge mit denen ich die Probleme erst einmal beseitigen kann. An 3 und 4 kann ich persönlich nichts ändern, aber Reiter und Pferd trotzdem daraufhin überprüfen und es dann ansprechen. Hier kann es also wirklich sein, daß keine weiteren Fragen gestellt werden. Besser ist es immer, eine Anfrage zu stellen ohne nähere Umstände zu erwähnen. Alles Relevante sollte erfragt werden. So holt ihr euch Informationen über die fachliche Kompetenz des Anpassers. Vergisst aber trotzdem einmal jemand nachzufrgen (man kann ja auch einmal im Stress sein oder die Gedanken sind woanders) sprecht einfach einmal die Möglichkeit an, daß die Kissen die Ursache sein könnten. Dann sollte die Frage kommen, wie alt diese sind. Fehlt das oder wird es abgebügelt - Hände weg. Mag vielleicht unfair sein, aber mir persönlich wäre das Risiko zu groß, daß ich da jemanden hole, der eben nicht weiß, was er tut.
Sind schon ziemlich durch.