Satteltypen
Heute möchte ich einmal etwas über die verschiedenen Satteltypen schreiben. Allerdings nur über die, die in der Reitweise verwendet werden, in der ich mich auskenne : der sogenannten "englischen" Reitweise. Was haben wir hier traditionellerweise für Sattelarten? Ganz einfach Vielseitigkeits- Dressur- und Springsättel. Seit Jahren gibt es leider viele selbsternannte oder auch tatsächliche "Fachleute" die abraten von den Vielseitigkeitssätteln und statt dessen entweder zum reinen Dressur- oder Springsattel raten. Das Argument ist, daß ein Vielseitigkeitssattel angeblich "weder Fisch noch Fleisch" sei und man weder vernünftig Dressur reiten noch springen könne. Und genau das wird häufig dann von Leuten nachgeplappert (sorry für den Ausdruck, aber ich kann diese gedankenlosen Nacherzählungen einfach nicht ertragen), die selber nicht einmal halbwegs durch eine E-Dressur kommen oder bereits an einem Sprung über ein Cavaletti scheitern würden. Ja, Vielseitigkeitssättel sind keine Spezialisten, es sind, wie der Name schon sagt, Allrounder, mit denen man in jeder Disziplin doch getrost ein gewisses Niveau gut und sicher erreichen und auch auf Turnieren erfolgreich bestreiten kann - zumindest dann, wenn Richter sich nicht von der Ausrüstung blenden lassen, was allerdings eher selten der Fall sein dürfte.Ich selber bin dressurmäßig bis Kl. M und springtechnisch bis Kl. L im Vielseitigkeitssattel geritten und hatte damit keine Probleme. Es sieht halt einfach in der Dressur nicht so elegant aus, wenn man viel Blatt vor dem Bein hat, weil das Bein recht gestreckt ist. Und der zweite Minuspunkt war der, daß es Sättel gab, bei denen sich der untere Blattrand mit meiner Stiefelkante verhakte, weil bei Dressurbügeln die Blattlänge einfach ein klein wenig zu kurz war. Der zweite Punkt war dann letztlich ausschlaggebend, einen Dressursattel zu kaufen.Also Dressur in einem normalen, gut ausbalancierten und zentrierten VS ist generell kein Problem und wer das als Argument nimmt, er bräuchte für seine anstehende E-Dressur bitte unbedingt einen Dressursattel, der sollte, bevor er Turniere bestreiten möchte, doch bitte erst einmal den richtigen Sitz lernen, denn dann wird er merken, es ist nicht die Sattelart, die nicht zum Erfolg führt, sondern schlicht und ergreifend das eigene Können - auch wenn diese Erkenntnis weh tun mag. Sehr beeindruckt hat mich 1988 ein älterer Springreiter, der an einer Dressurprüfung der schweren Klasse mit seinem Springer teilnahm. Er nutzte dazu seinen Springsattel. Abgesehen davon, daß er eben nicht diesen gestreckten Sitz hatte (was ein Springsattel auch einfach gar nicht zuläßt) und sein Pferd die typisch kurzen und eher schweren Bewegungen des stabilen Springers der damaligen Zeit hatte, war seine Vorstellung absolut beeindruckend. Fehler? Lektionsmäßig eigentlich keine. Mir muß also niemand erzählen, er wäre nicht so gut, weil er keinen Dressursattel hat.Nun zu dem Thema, was mich seit Jahren doch immer mal wieder an den Rand der Selbstbeherrschung bringt: Der Dressursattel. Also ich liebe Dressursättel, einfach weil sie den Dressursitz schön unterstützen können (alles andere ist im gestrigen Text nachzulesen). Aber bei aller Liebe zum Dressursattel diese Dinger gehören nicht auf junge Pferde, unter junge Reiter und in einen Parcours! Und warum das so ist, erkläre ich jetzt.Junge Pferde haben im allgemeinen zu Beginn ihrer Reitpferdekarriere gewisse Balanceprobleme. Das liegt zum einen daran, daß sie sich plötzlich mit dem Reiter auf ihrem Rücken zurechtfinden müssen und zum anderen, daß sie normalerweise noch im Wachstum sind und der Körper sich noch verändert. Mal ist so ein Pferd vorne zu hoch, mal hinten, mal im Quadrat gebaut, dann wieder im Rechteck. Oft sind es auch noch schmale Hänflinge, die dadurch etwas instabiler sind, weil sie nicht über genug Boden stehen. Daher kann es, bei jungen Pferden häufig zu unvorhergesehenen Aktionen kommen, schon alleine deswegen, weil das Pferd beim antraben quasi seinem Gleichgewicht nachspringt oder sich über das ungewohnte Gefühl erschreckt und losbockt. Solche Aktionen sollte ein Reiter geschmeidig wegsitzen und sich nicht in einen Dressursattel klemmen, schwer in den Rücken gezogen und dann am besten noch an den Zügeln hängend. Sondern den Sprüngen des buckelnden Pferdes im leichten Sitz begegnen. Dazu kommt, daß man den Rücken des jungen Pferdes noch nicht zu sehr belasten sollte, ein Pferd muß erst einmal verstehen, wie es über die Dehnung in den leicht aufgewölbten Rücken kommt, mit dem es dann auch den Reiter losgelassen und gesund durchs Leben tragen kann. Dafür gibt es den Remontesitz, der noch kein leichter Sitz ist, sondern lediglich das Reitergewicht nicht voll auf den Pferderücken bringt. Im Dressursattel ist solch ein Sitz nicht unbedingt unmöglich, in den modern gewordenen "Sitzprothesen" allerdings schon. Ergo: Ein junges Pferd besattelt man am besten mit einem VS- oder Springsattel. Kein Dressursattel unter junge Reiter: Unter "jungen Reitern" versteht man nicht das Alter der Person, sondern das Alter der Reiterfahrung. Ergo kann auch ein Tattergreis mit 90 Jahren, der das erste Mal auf einem Pferd sitzt, ein junger Reiter sein, auch wenn es ein alter Mensch ist. Daher gilt die Forderung oben für alle Reiter, die noch nicht über genügend Erfahrung und Können verfügen, um einen Dressursattel richtig nutzen zu können. Junge Reiter müssen immer erst einmal mit sich und ihrem Körper klar kommen lernen, wenn sie auf einem Pferd sitzen. Ich habe ungelogen schon Reitschüler gehabt, bei denen ich Angst hatte, daß sie mir selbst im Schritt vom Pferd fallen, weil sie null Eigenbalance besaßen. Solche Reiter können einfach keinen Dressursitz einnehmen - das ist ihnen einfach nicht möglich! Die haben noch kein lang gestrecktes Bein, mit dem sie das Pferd sicher einrahmen. Die brauchen erst einmal etwas kürzere Steigbügel um genug Halt zu haben. Ja, ein Anfänger benötigt erst einmal irgendwo Halt, da er gar nicht fähig ist, sofort den Schwung des Pferde auszubalancieren. Er kennt das Gefühl doch gar nicht. Und da gibt es dann Reiter, die kommen schnell damit klar und andere benötigen viel Zeit um sich zurecht zu finden. Ein Anfänger benötigt daher eine angepasste Steigbügellänge und einen entsprechenden Sattel, der das auch zulässt. Ein Dressursattel läßt etwas kürzere Bügel durch sein gerades, ja oft rückläufiges Blatt, selten zu. Ein tiefer Sitz und prominente Pauschen, in denen der Reiter ja so guten Halt finden kann (angeblich) sind absolut kein Argument, einen Anfänger in so etwas hinein zu setzen. Denn das behindert von Beginn an die Eigenbalance des Reiters und er lernt lediglich, sein Heil in der vermeintlichen Sicherheit des Sattel zu suchen, was gravierende Sitzfehler nach sich zieht. Eines der ersten Dinge, die ein Reiter dem Pferd zuliebe lernen muß, ist der unabhängige Sitz, sprich das Gleichgewicht auf dem Pferd zu bewahren ohne irgendwo zusätzlichen Halt suchen zu müssen.Und nun die steile These, daß ein Dressursattel nicht in den Parcours gehören, bzw. noch nicht einmal für einen noch so kleinen Sprung genutzt werden sollten: Zum Springen gehört ein geschmeidiger und vor allem perfekt ausbalancierter Springsitz. Ich bin immer wieder erschrocken, wie wenig Reiter diesen auch nur ansatzweise beherrschen. Das mag daran liegen, daß viele Reiter erst den Dressursitz halbwegs lernen und dann meinen, es reicht, sich die Bügel ein wenig kürzer zu schnallen und aufzustehen über dem Sprung. Und das ist ein absoluter Irrglaube. Der Springsitz soll und muß genauso von der Pike auf gelernt werden, wie der Dressursitz. Abgesehen davon, daß man dabei ein Pferd unter dem Hintern, Zügel in der Hand und Steigbügel an den Füßen hat, haben diese zwei Sitzarten nichts miteinander gemein! So als grobes Beispiel: Dressursitz und Springsitz sind so eng miteinander verwandt wie ein Salto und ein Handstand. Niemand würde auf die Idee kommen, er könnte einen Salto springen, nur weil er den Handstand für eine Sekunde halten kann. Aber wer bereits halbwegs Schritt, Trab, Galopp unfallfrei übersteht, kann natürlich auch springen. Daß man das Pferd dabei maßlos stört und behindert, machen sich die wenigsten Reiter klar.Fakt ist, der Springsitz wird in der Breite nicht mehr gelehrt. Früher gehörte das noch weit häufiger zur Basisausbildung, heute ist das kaum mehr üblich. Die Erklärung "mach die Bügel etwas kürzer und dann mußt du über dem Sprung aufstehen" ist so etwas von falsch, ich habe dafür einfach keine Worte. Und wenn das dann noch in einem Dressursattel passiert, dann wird das richtig fatal. Denn welche Mechanismen wirken hier? Durch das gerade Blatt wird das Reiterbein bei verkürzten Bügeln nicht mehr vom Blatt nach vorne abgedeckt. Und die Pauschen führen dazu, daß das Bein entweder weggedrückt wird und das Knie extra fest angedrückt wird, oder das Knie klemmt sich hinter der Pausche fest. Dazu dann die kurze Distanz Bügelaufhängung - Sitzschwerpunkt und am besten noch ein tiefer Sitz. Das führt dazu, daß der Reiter mit dem Gesäß gar nicht nach hinten kann, im leichten Sitz und daher über dem Sprung immer nach vorne kommt mit dem Oberkörper. Dadurch entsteht Übergewicht nach vorne, Eigenbalance Ade. Um dann nicht vom Pferd zu kugeln klemmt sich der Reiter mit dem Knie fest und dreht über dem Sprung über das Knie nach vorne. Wer sich einmal Springbilder ansieht kann bemerken, daß eben die so wichtige Balancesenkrechte Schulter - Knie - Bügeltritt nicht einmal ansatzweise existert. Es geht eher in Richtung Hüfte - Knie, mit Glück trifft es dann noch den Bügeltritt. Nicht umsonst haben Springsättel normalerweise eine verlängerte Distanz Sitzschwerpunkt - Bügelaufhängung und einen ausgesprochen flachen und nach hinten weggezogenen Sitz. Über so einem Sattel kann sich ein Reiter über dem Sprung nämlich optimal ausbalancieren. Aber eben diese Balance und die richtige Aktion muß erst einmal erlernt und intensiv geübt werden, das bekommt man nicht geschenkt, nur weil man einen Springsattel und ein Springpferd gekauft hat und weil man den normalen Gebrauchssitz so halbwegs beherrscht.So wie ein PKW sich nicht zum Holzrücken eignet oder ein elektrischer Rollstuhl für Blitzstarts auf der Autobahn eher suboptimal ist, sollte man auch verstehen, daß ein Sattel für die Disziplin, für die er entwickelt wurde, genutzt werden sollte und in anderen Disziplinen einfach nicht angebracht und teilweise auch kontraproduktiv ist. Das geht dann immer zu Lasten des Pferdes. Wer von allem etwas möchte, sollte daher immer zu einem vernünftigen Allrounder greifen, der ihm die notwendige Freiheit gibt, die unterschiedlichen Sitzarten in guter Eigenbalance auszuführen. Will man mehr, macht ein Spezialist durchaus Sinn, aber dann bitte immer auch nur in der Disziplin , die ausgebaut werden soll. Ein VS-Sattel ersetzt weder einen Dressursattel noch einen Springsattel, er bietet nur die Möglichkeit alle Disziplinen bis zu einem gewissen Grand zu erlernen und auszuführen. Im Übrigen gehört ein Dressursattel auch nicht wirklich ins Gelände, da auch hier der sichere leichte Sitz möglich sein sollte.(Doch, es gibt Dressursättel, die diesen zulassen, zumindest so, daß man, wenn man ihn beherrscht, diesen auch sicher ausführen kann).
Was ist den das????